Einen Blick hinter die Fassade wagen

Einen Blick hinter die Fassade wagen

Vorurteile. Jeder hat sie, jeder kennt sie, jeder war schon einmal betroffen. Kein Mensch ist perfekt.  Kein Mensch ist gleich. Ich gebe zu, ich bin oft dabei, wenn es um Vorurteile geht. Ich öffne meine Schubladen vorschnell. „Der ist bestimmt eingebildet.“ „Das ist bestimmt ’ne Zicke.“ Schon das kleine Wörtchen „bestimmt“ zeigt doch, dass wir nicht wissen, lediglich  vermuten.
Es ist immer einfacher über jemanden zu urteilen, seine Meinung zu verbreiten und somit ein Schubladendenken zu verursachen, als auf die Person zu zugehen und sie kennen zu lernen. Ich bin noch eine junge Frau, habe noch nicht all zu viel Lebenserfahrung und Menschenkenntnis, als dass ich sagen könnte, ich läge mit meinen Vermutungen immer richtig. Doch immer wieder ertappe ich mich dabei. Anstatt ich versuche auf die Person zu zugehen und sie kennenlerne, fälle ich ein Urteil und verpasse vielleicht so die Chance viele tolle Persönlichkeiten kennen zu lernen.

Vor einigen Jahren bin ich selbst einmal in der Situation gewesen. Ich wurde in eine Schublade gesteckt. Damals absolvierte ich einen Lehrgang mit anderen Mädels, alle im selben Alter. Wir mussten in Gruppenräumen nächtigen und lernten uns richtig gut kennen. Gegen Ende des Lehrgangs erzählten mir die Anderen, ich habe zu Beginn den Eindruck geweckt, ich sei zickig und eingebildet, was darauf gründete, dass ich lediglich eine ruhige Person war. Es war schockierend für mich, denn ich war nur schüchtern und aufgeregt. Ich empfand es als unangenehm. Es war mir nicht bewusst, dass ich eine solche Ausstrahlung hatte. Ich wurde einfach in eine Schublade gesteckt. Völlig falsch eingeschätzt und das nur, weil ich unsicher war.

Kein schönes Gefühl. Habe ich selbst das Schubladendenken daher abgestellt? Nicht wirklich. Ich ertappe mich immer wieder dabei, vorschnell meine Schubladen zu öffnen und schließen. Doch wenn man ehrlich ist, ist es schwer ein Verhaltensmuster zu ändern. Disziplin und Willenskraft stehen hier im Vordergrund. In den letzten Jahren ist es schon viel weniger geworden. Mir ist bewusst geworden, dass hinter jedem Menschen, jedem Aussehen oder Verhalten immer eine Geschichte steckt und nicht jeder Mensch freiwillig so ist wie er ist. Nicht immer. Daher versuche ich meine Urteile weniger voreilig zu fällen und erst einmal abzuwarten.

Viele Vermutungen und Vorurteile rühren daher, dass ein bestimmtes Verhaltensmuster, Aussehen oder Makel an sich selbst nicht akzeptiert wird. Eine Unsicherheit in der eigenen Person existiert und deshalb entwickelt sich eine Antipathie gegenüber einer unbekannten Person aufgrund von Äußerlichkeiten.  Ein Blick wird erhascht, das Urteil ist gefällt. Und wisst ihr was? Ich glaube, Selbstliebe hat hier einen hohen Stellenwert. Denn auch Eifersucht und Neid spielen eine Rolle. Jemand ist hübscher, hat eine schönere Figur, schönere Klamotten. Zack. Urteil. Allerdings ist letzteres wahrscheinlich eher bei Frauen ein verbreiteter Aspekt.

Veränderungen vornehmen

Wie ich schon zu Beginn gesagt habe, verpasst man so viele Möglichkeiten, schöne Persönlichkeiten kennenzulernen und das nur, weil seine Schubladen zu schnell geöffnet werden. Vielleicht sollte man ab und zu einen Keil spannen und abwarten. Anschließend können die Schubladen immer noch gefüllt werden.  Auch ist es wichtig, sein Leben und sich selbst zu akzeptieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass „sich selbst zu akzeptieren“ nicht immer einfach ist. Aber es macht glücklicher und lässt Veränderungen im Urteilen über andere zu. Denn schließlich fühlt man sich doch nur in dem kurzen Moment besser, wenn man sein Urteil fällt uns sich somit selbst ins bessere Licht rückt. Hinter die Fassade zu blicken und den Menschen dahinter zu verstehen gilt als Herausforderung und ist einen Versuch wert. Die Vielfältigkeit ist es doch, was uns Menschen ausmacht und zu etwas besonderem. Oder?

Bevor ihr das nächste Mal urteilt, geht in euch und fragt euch, wieso ihr genau das über diese Person in diesem Moment denkt. Ihr werdet sehen, vieles hat mich euch selbst zutun. Und denkt daran, dass auch ihr in Schubladen gesteckt werdet.

 

 

Photo by Pamela Saunders on Unsplash

 

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