Wieso ich das mache, was ich tue

Wieso ich das mache, was ich tue

Das Abi ist geschafft.  „Und was jetzt? Ausbildung? Studium? Ausland? Soziales Jahr?“ Von allen Seiten prasseln Erwartungen und Fragen auf einen jungen Menschen ein. Dabei hilft ihm das bei dem schwierigen Thema „Zukunft“ gar nicht weiter. Im Gegenteil, es erdrückt ihn und macht die Situation nicht besser. Es ist nicht einfacher heutzutage, seinen Weg zu finden. Zu viele Möglichkeiten und das Erfüllen von Erwartungen stehen im Fokus.  Auch ich habe vor wenigen Jahren mein Abitur absolviert. Damals erging es mir nicht anders. Ich habe immer die beneidet, die genau wussten, was sie machen wollten, was sie sein wollten und wo sie hin wollten. Priorität Nummer 1 war das Abitur. Was danach kam, wusste ich nicht.
Noch heute liegen mir die Worte in den Ohren, dass mir während der Schulzeit immer wieder nahegelegt wurde, ich solle Praktika machen. Aber welcher junge Mensch steht in seinen heiligen Ferien früh auf, um auch noch zu arbeiten? Mir waren damals 2 Wochen Ferienarbeit schon zu viel, in 6 Wochen Ferien. Aber wie sagt man so schön? Hinterher ist man immer schlauer

Nach dem Abitur

Ich habe mich damals für ein soziales Jahr beworben. Ich bekam eine Zusage.  Doch gleichzeitig bewarb ich mich an jeder Uni, die ich kannte. Mir sind vor kurzem beim Ausmisten einige Zu- und Absagen entgegen geflattert. Erst da ist mir bewusst geworden, dass ich mich für jeden Mist beworben hatte. Die meisten dieser Studiengänge und Thematiken passten überhaupt nicht zu mir. Damals wie heute. Trotzdem begann ich ein Studiengang an der heimischen Uni, wechselte zum Sommersemester in einen anderen und brach letztendlich die Uni nach einem Jahr ab.

In der Zeit zwischen Abitur bis zum Abbruch des Studiums wurde ich andauernd krank. Jeden Monat kam etwas anderes und ich hatte noch nie so viele Arztbesuche und Antibiotika hinter mir, wie in diesem Jahr. Ich wusste zunächst gar nicht wieso. Mein Hausarzt diagnostizierte damals, dass die Krankheiten von meiner Psyche kamen. Da ich einfach nicht wusste, was ich mit meinem Leben anfangen sollte, ich unglücklich mit meiner Situation war und Zukunftsängste hatte, entschied mein Körper sich dazu, sich selbst krank zu machen. Ich darf daraufhin die Entscheidung, auf Widerwillen meines Papas „denn man muss auch mal was durchziehen“, das Studium abzubrechen, entschloss ich eine Ausbildung anzufangen. Ich bewarb mich. Auch dieses Mal wieder überall und irgendwo. Hauptsache einen Ausbildungsplatz, arbeiten und Geld verdienen. Gleichzeitig bewarb ich mich noch einmal für ein soziales Jahr, denn ich benötigte ein Überbrückungsjahr bis zum Beginn der Ausbildung.

Die Erkenntnis

Wie ich in einem anderen Blog Post schon erwähnt habe, absolvierte ich dieses Jahr als Assistenz in der Grundschule und arbeitete gleichzeitig mit vielen wunderbaren Menschen zusammen. Und soll ich euch etwas sagen? Ich war in diesem Jahr nicht einmal krank. Ich habe nicht mehr aus heiterem Himmel angefangen zu weinen, mir ging es besser. Ich liebte diese Arbeit und erst da erkannte ich, was ICH wollte, wer ICH sein wollte und wo ICH hin wollte. Ich wollte mit Menschen arbeiten. Ich wollte mit Kindern arbeiten. Ich wollte Grundschullehrerin werden. Dieses Jahr prägte mich sehr und es hat mir viel zurück gegeben, hat mich wachsen lassen und mich daran erinnert, was mir in meinem Leben wirklich wichtig ist.

 

Die richtige Entscheidung?

Aber, tata. Ich habe mir auch das verbaut. Da ich zuvor das Studium abgebrochen hatte, war ich nicht stark genug zu sagen, ich beginne nach dem Sozialen Jahr erneut ein Studium.  Mein Herz sagte ja, doch mein Verstand stellte sich dagegen. Ich habe es einfach nicht getan, obwohl ich einen Platz bekommen hätte. Wieso nicht? Einige haben mir abgeraten. Sie meinten, man brauche demnächst keine Grundschullehrer mehr, da es nicht mehr so viele Kinder geben wird. Auf der anderen Seite waren da verschiedene Menschen, denen ich nicht sagen konnte, dass ich nun doch wieder studieren wollte und die Ausbildung absagen möchte. Es gab viele Faktoren, doch den einzigen Faktor, den ich nicht berücksichtigt habe war ICH.

 

Und was dann?

Ich begann die Ausbildung, habe allerdings andauernd an das Studium gedacht. Als eine meiner besten Freundinnen ebenfalls noch einmal von vorne anfing und sie es wagte Grundschullehramt zu studieren, entschloss auch ich mich dazu. NACH meiner Ausbildung.  Diese wollte ich noch abschließen.

Über die letzten Jahre kamen mir auch hier wieder Zweifel und Gedanken. Vielleicht auch nur etwas „Soziales“ kein Lehramt. Denn so wäre ich nach 3 Jahren fertig und müsste nicht noch 6 Jahre studieren (inkl. Ref). Wenn ich jetzt so lange noch studiere, wann soll dann eine Familie gegründet werden? Es entstehen Zeitdruck und Angst, dass zu viel Zeit für Studium investiert wird und somit bestimmte Lebensabschnitte nicht erreicht werden können. Wie soll ich genug Geld verdienen, um meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, wenn ich Vollzeit studiere? Und und und … Mein Gedankenchaos wurde mir zu viel, habe mich mit J. zusammengesetzt und mit ihm über meine Gedanken und Ängste gesprochen. Er stärkte mich in der Entscheidung diesmal endlich auf mein Herz zu hören . Sei es drum, dass ich erst Anfang 30 fertig bin. 

Meine Absicht

Wieso ich euch davon berichte ? Es ist ein sehr privates Thema und ich habe lange überlegt, ob ich davon erzähle. Doch ich bin der Meinung, es geht vielen jungen Menschen so. Ihr wisst nicht, wie es nach der Schule mit euch weitergeht. Ihr wisst nicht, wo euch das, was ihr begonnen habt, hinführt. Ihr wisst nicht, ob ihr mit eurer Entscheidung wirklich glücklich seid oder ihr vielleicht doch einen neuen Weg einschlagen solltet?  Aber ich weiß was. Egal, was andere sagen. Egal, was eure Entscheidung mit sich bringt. Ihr solltet immer auf EUCH hören. Ihr solltet immer auf euer HERZ hören.  Wenn ihr ein Auszeit nehmen und reisen wollt? Wieso nicht? Wenn ihr im Ausland studieren wollt? Wieso nicht? Wenn ihr etwas außergewöhnliches machen wollt, wo sich andere fragen, was ihr damit vorhabt? Wieso nicht? Wenn ihr es wirklich wollt, dann werdet ihr es auch schaffen und es wird euch glücklich machen.

Oft denke ich, dass ich direkt ein soziales Jahr hätte machen sollen und mir somit ein paar Jahre hätte sparen können. Nun bin ich Mitte 20 und fange noch einmal von vorne an. Habe ich daher 5 Jahre verschwendet? An manchen Tagen denke ich „JA“. Doch die meiste Zeit bin ich froh über die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren machen durfte. Diese haben mich wachsen und erfahren lassen, was mir im Leben wichtig ist. Das zu tun, was ich liebe, egal was andere sagen. Egal wie lange es dauert. Ihr müsst nicht immer den geraden Weg gehen, um euer Ziel zu erreichen. Die schiefen und krummen sind es, die euch an Erfahrung und Reife wachsen lassen.

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