Du bist schön!

Du bist schön!

Gabrielle Dydier

Ein Beitrag, der aktuellen Ausgabe „BARBARA“ hat mich dazu bewegt diesen Blogpost zu schreiben. Hier erzählt Gabrielle Dydier über ihr Leben, wie es ist „als 150 kg Frau in einem Land zu leben, in dem Frauen quasi von Geburt an schlank sind.“ (Frankreich)
Sie wurde dauerhaft mit Sprüchen und Vorurteilen konfrontiert.„Tut mir leid, aber wir beschäftigten keine Dicken. Sonst kommen die Leute noch auf die Idee, dass sie von unserem Essen fett werden.“ (Fastfood-Restaurant) Selbst beim Frauenarzt, einem sehr intimen und feinfühligen Ereignis, wurden ihr die Worte „So viel Schwabbelspeck, ich kann gar nichts sehen.“ entgegengebracht. Sie sagt, „wer als übergewichtige Frau unter lauter Elfen lebt, gilt als körperlich behindert, zumindest als krank-…“. Sie hatte jahrelang keinen festen Wohnsitz und hangelte sich von Job zu Job. Was dem ganzen die Krone aufsetzte, war die Situation, als sie als Assistenzkraft an einer Integrationsschule arbeitete und die Lehrerin meinte „sie arbeite nicht mit dicken Menschen“ und stellte Gabriel der Klasse, in der unter anderem 6 beeinträchtigte Kinder saßen, mit den Worten vor „Kinder, hier kommt die siebte Behinderte.“

Als ich das laß, musste ich einfach meine Meinung zu diesem Thema loswerden. Es kann doch nicht sein, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo sich alles nur nach dem Aussehen misst. Egal ob in Frankreich oder in Deutschland. In dem Artikel steht sogar, dass übergewichtige Menschen weniger Geld bekommen, denn „wenn sie einen Job finden, haben sie zu wenig Selbstbewusstsein, um geschickt ihr Gehalt zu verhandeln.“  (FAT DOENS’T PAY -Internationale Studie) Aber woher soll das Selbstbewusstsein kommen, wenn man nur mit Vorurteilen und blöden Sprüchen zu kämpfen hat.

In Südfrankreich sind Magenverkleinerungen fast schon zu einem Trend geworden, dennoch ist die Selbstmordrate nach einer solchen OP 4 Mal so hoch wie die durchschnittliche Suizidrate in Frankreich. Hallo? Suizid, weil man nicht aussieht wie ein Model? Keinem „Ideal“ entspricht? Aber was ist eigentlich ein „Ideal“?  Nach der Definition im Duden ist ein Ideal, „ein Inbegriff der Vollkommenheit“ oder „die Idee, nach der Verwirklichung des höchsten Wertes eines Zieles“. Bedeutet dies also, dass  „dünn sein“, „schön sein“, „aussehen wie ein Model“ der Vollkommenheit und unserem höchsten Ziel im Leben entsprechen sollte? Ich denke nicht. Ich denke, dass jeder von uns sein eigenes Ideal sein sollte.

Die andere Seite

Zudem gibt es auch die andere Seite. Denn nicht nur Frauen mit Rundungen müssen mit Vorurteilen und doofen Sprüchen kämpfen und können nichts für ihre Gene. Auch dünne Frauen können oftmals nichts dafür. Wenn man zu dünn ist, heißt es oft „die ist doch magersüchtig“, „die sollte mal mehr essen.“ Wo wir wieder beim Thema Vorurteile wären. Und wenn man sich dann noch gesund ernährt und einen Salat bestellt, gilt dies nur als Bestätigung, man esse nichts.

Vor einigen Jahren hatte ich selbst Probleme mit meinem Körper. Habe exzessiv Sport getrieben, dazu wenig gegessen. Ob mir das geholfen hat? Nein, im Gegenteil. Denn meine Zweifel waren immer noch da und verfestigten sich noch mehr. Allerdings hatte ich positiven Einfluss von meinen Mitmenschen, somit habe ich mich im laufe der  Zeit mit gesundem Essen auseinandergesetzt und eine gesunde Einstellung zu Sport entwickelt. Doch der Gedanke, dass ich nicht „schön“ sei, spukte dennoch lange in meinem Kopf herum.

Embrace-Du bist schön

Im letzten Jahr habe ich den Film „Embrace“ gesehen. Ein australischer Dokumentarfilm von Taryn Brumfitt, der mir die Augen geöffnet hat. Der Film setzt sich mit den Schönheitsidealen der Frauen auseinander und zeigt, wieso so viele Frauen ihren Körper regelrecht hassen. 

Dieser Film hat mich sehr berührt und mir deutlich vor Augen gehalten, dass es kompletter Unsinn war, wie ich über mich und meinen Körper gedacht und mich dauernd mit anderen verglichen habe. Es ist völlig egal, ob ich kurze Beine oder ob ich ein paar Dellen am Po habe. Solange ich mich wohl fühle, ist alles super. Oder?

Das heißt jetzt nicht, dass man aufhören sollte Sport zu treiben oder die Ernährung vernachlässigen sollte. Nein, denn dies ist nun mal wichtig für einen gesunden Körper. Doch wir sollten uns bewusst werden, dass niemand etwas für seine Veranlagungen und Gene kann und somit viele Frauen einfach Probleme haben abzunehmen/ zuzunehmen oder eine Veranlagung zu breiteren Hüften haben oder kleinen Brüsten, sich aber dennoch schön finden und wohl fühlen sollten.  

Und nun?

Wer mich kennt, denkt sich jetzt vielleicht „die hat doch bestimmt keine Problemzonen“. Doch obwohl ich mich sehr gesund ernähre und viel Sport treibe, habe auch ich ein paar Dellen am Po und Beinen. Na und, soll ich mich deswegen verstecken? Soll ich deswegen im Sommer nicht baden gehen oder eine kurze Hose tragen? NEIN! Denn ich bin immer noch ich. Für mich ist es wichtiger geworden, glücklich im Leben zu sein und mich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Und nicht meine Kleidergröße für meine Persönlichkeit sprechen zu lassen, sondern mein Charakter. Das ist viel wichtiger!

Denn:

„WER SICH NICHT DAUERND MIT SEINER FIGUR BESCHÄFTIGT, HAT PLÖTZLICH VIEL MEHR ZEIT EINFACH ZU LEBEN.“- BARBARA

BAUCHFRAUEN.DE

Zum Schluss möchte ich euch noch eine Seite empfehlen, dessen Arbeit ich sehr toll finde.
Bauchfrauen“ ist ein Modelabel von Isabel & Sandra. Zwei Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, sich selbst lieben zu lernen und zu akzeptieren. Sich bewusst werden, dass „die innere Schönheit, das bedeutendste Kleidungsstück ist, dass du jemals besitzen wirst.“ Viele lassen sich von dem Namen „Bauchfrauen“ abschrecken und denken, dass die Message nur für Frauen mit Bauch  und Po ist. Das ist falsch, denn auch Frauen ohne Bauch und Po sollten dies über sich lernen und anderen mitteilen. „DU BIST SCHÖN!“

 Eine wirklich tolle Sache und es lohnt sich, die Message in die Welt zu tragen, damit mehr Frauen wieder glücklicher mit sich selbst sind und das Leben endlich genießen und auch mal ein Stück Kuchen essen können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. ODER NICHT?

Und vergesst nicht:

Schönheit beginnt dann, wenn du dich dazu entscheidest, DU selbst zu sein, denn jeder Mensch ist auf seine eigene Art und Weise perfekt.  Die Vielfalt ist es doch, die uns schön aussehen lässt!

Und versucht, euch nicht so sehr von anderen beeinflussen zu lassen, sondern lernt zu genießen und euch selbst zu lieben.

 

 

Photo by Oleg Ivanov on Unsplash

 

2 thoughts on “Du bist schön!

  1. Hey Ina,
    Ich find’s voll cool, dass du einen Blog hast, der sich diesen Dingen widmet. Vor allem deine Beiträge zur Lebenswegfingung resonieren sehr eng mit Problemen, die viele Leute unserer Generation entgegnen, oder, die zumindest meine gegenwärtige Situation gut beschreiben.
    Viel Erfolg weiterhin,
    Von einer Mitabiturientin von damals 🙂

    1. Hey Becky,

      vielen lieben Dank für dein Feedback.

      Das ist wohl leider wirklich so in unserer Generation. Was aber allerdings nicht immer unbedingt negativ bewertet werden sollte. Denn ich denke, dass jeder von uns seine eigene Geschichte und eigenen Weg erzählen kann und hinter sich hat, was das ganz wiederum interessanter und vielfältiger macht. & wir wachsen so auch an all den Herausforderungen, die wir bisher, aber auch weiterhin, gemeistert haben und meistern werden (müssen). Oder nicht? 🙂

      Liebste Grüße
      Ina

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